Chronik des Sängerkreises Wohratal e.V.

Gründung und Gründungsgedanke

Am 17. Juni 1923 schlossen sich, auf Anregung des Männergesangvereins Wohra,einige Vereine zu einem Sängerbund zusammen. Der Gründungsgedanke, nämlich die Pflege und Veredelung des Deutschen Liedgutes, hat sich nicht grundlegend geändert und hat deshalb auch heute noch Gültigkeit. Die Vereine, die zu dem Zusammenschluß führten, stammten aus den Landkreisen Kirchhain, Frankenberg und Ziegenhain. Zum Vorsitzenden wurde Heinrich Staffel aus Halsdorf gewählt.

Zu den Gründungsvereinen gehörten:

  • Männergesangverein Ernsthausen
  • Männergesangverein Gemünden
  • Liedertafel Gemünden
  • Männergesangverein Haina
  • Männergesangverein Halsdorf
  • Männergesangverein Lischeid
  • Gesangverein Sängergruß Rauschenberg
  • Liederkranz Rosenthal
  • Männergesangverein Wohra

Mit einem Konzert in Gemünden präsentierten sich die Mitgliedsvereine des Wohratal Sängerbund der Öffentlichkeit. 


Geschichte

In 1933 wurde der Wohratal- Sängerbund als Bezirk 3 dem Sängerkreis 8 Marburg angegliedert. Dieser war Mitglied im Mitteldeutschen Sängerbund und damit auch dem Deutschen Sängerbund angeschlossen.

Während des 2. Weltkrieges ruhte jegliche Sängertätigkeit, doch schon am 10. Mai 1949

trafen sich unter der Leitung des 1. Vorsitzenden Heinrich Staffel die Vereinsvorsitzenden der ehemals angeschlossenen Vereine zu einer Arbeitstagung, um ein Aufleben des Sängerbundes nach dem Kriege wieder in die Wege zu leiten. Noch am gleichen Tag wurde die Weiterführung des Wohratal– Sängerbundes beschlossen.

 

Bei den anstehenden Neuwahlen im Frühjahr 1950 wurde Hermann Sack aus Rauschenberg zum neuen Vorsitzenden gewählt.

 

Am 01. April 1950 trat der Wohratal-Sängerbund aus dem Mitteldeutschen Sängerbund aus, um jedoch ein Jahr später wieder dem Bund mit Sitz in Kassel erneut beizutreten. Von nun an lautete die offizielle Bezeichnung „Sängerkreis 18 Wohratal“.

Dennoch blieb die alte Namensführung „Wohratal-Sängerbund“ bis in unser Jahrhundert bestehen.

Bei den Neuwahlen in 1974 wurde Heinrich Nass aus Hatzbach zum neuen Vorsitzenden gewählt. Nach 20 Jahren trat Heinrich Nass in 1994 aus gesundheitlichen Gründen vom Amt des Vorsitzenden zurück und übergab den Vorsitz bei den anstehenden Neuwahlen an Kurt Wilhelm Nau aus Rauschenberg.

 

Im Herbst 1998 trafen sich der Sängerbund und Bürgermeister Barth von Rauschenberg um über die Gründung eines überregionalen Kinder- und Jugendchores zu beraten. Dieses Vorhaben konnte allerdings nicht weiter verfolgt werden, da sich kein geeigneter Chorleiter zur Verfügung stellte.

 

In 2004 kam es zu einer gemeinsamen Besprechung der Vorsitzenden vom Wohratal- Sängerbund und des Kurhessischen Sängerkreises, sowie dem Leiter der Chorleiterschule  Marburg. In dieser Besprechung wurde festgelegt, dass einmal jährlich eine Chorleiterfortbildung stattfinden sollte. Austragungsort und Planung sollten jährlich zwischen den beiden Sängerkreisen wechseln.

 

Der 14.10.2006 war für den Wohratal Sängerbund ein sehr wichtiges Datum. Die Delegierten der Mitgliedsvereine stimmten über mehrere Satzungsänderungen ab:

Gemeinnützigkeit, Eintrag in das Vereinsregister und über einen neuen Namen. Alle Anträge wurden einstimmig beschlossen.

Und so heißt der Verein nun: „Sängerkreis Wohratal e.V.“.


Vorsitzende & Kreischorleiter

Der Sängerkreis Wohratal e.V. besteht jetzt (2009) 86 Jahre.

In dieser Zeit gab es nur vier Vorsitzende. Für die Chronisten ist das eine überschaubare Anzahl. Hermann Staffel, der auch den Vorsitz während des Nazi- Regimes hatte, sah sich besonderen Belastungen ausgesetzt. Er wurde von der Gauleitung beauftragt, sämtliche jüdischen Sänger im Sängerbund zu benennen. Dies lehnte er strikt ab und wurde deshalb für ein halbes Jahr von seinem Posten enthoben. An seiner Statt wurde von der Gauleitung ein „politisch treuer“ Vorsitzender benannt.

 

1939 kam es dann durch den Kriegsbeginn zu einer Unterbrechung sämtlicher Vereinstätigkeiten.

 

Ganz anders gestaltet sich aber die Liste der Kreischorleiter.

Von 1924 bis 1934 gab es jährlich ein Wertungssingen und ein Sängerfest. Der Chorleiter des ausrichtenden Mitgliedvereines war auch zugleich Kreischorleiter. Bemerkenswert ist allerdings, dass in 1933 und in 1934 die Chorleiter noch die Unterstützung eines weiteren Chorleiters hatten.


Vorsitzende

1923 - Kriegsbeginn Heinrich Staffel aus Halsdorf
1950 - 1974 Hermann Sack aus Rauschenberg
1974 - 1994 Heinrich Naß aus Hatzbach
1994 - 2014

Kurt Wilhelm Nau aus Rauschenberg

2014 -

Monika Friedrich aus Rauschenberg


Kreischorleiter / Musikausschuss-Vorsitzende

1924 - 1932 Chorleiter von Rosenthal, Gemünden, Halsdorf, Haina, Hatzbach,Wohra, Rauschenberg, Ernsthausen
1933 Chorleiter von Wolferode und Bezirkschormeister Engelhardt
1934 Chorleiter von Schwabendorf und Kreischormeister Geitz
1950 - 1974   Erich-Peter Herguth 
1975 - 1976  Horst Günther Freund 
1977 - 1987  Heinz Wind 
1988 - 1994 Josef Schmidt  
1995 - 1997  Heinz-Otto Niekrenz 
1998 - 1999 Heinz-Josef Botthof 
2000 - 2003 Bernhard Wieber
2003 - 2005  Hans-Jürgen Decher 
2005 - 03/2006 Horst Günther Freund (komm. Vorsitzender des Musikausschuss)
03/2006 - 10/2008 Martin Höpfner
10/2008 - 03/2009 Philipp Imhof (komm. Vorsitzender des Musikausschuss)
03/2009 - 03/2011

Kurt-Wilhelm Nau (Arbeitskreis für musikalische Belange)

03/2011 - 02/2014 Günter Retzlik

02/2014 - 02/2016

Philipp Imhof - Peter Jerabeck - Jessica Harris

02/2016

Philipp Imhof


Konzerte und herausragende Ereignisse

Zu den jährlichen Höhepunkten in der Vereinsgeschichte gehörten die Bundessängerfest und die Wertungssingen. Bei den Bundessängerfesten trafen sich alle Vereine an einem Wochenende, meistens im Sommer, um gemeinsam zu feiern. Häufig war dies auch der absolute Höhepunkt in einem Dorf. Den Abschluß bildete meist ein Festzug. Die Fahnenträger vorneweg, umrahmt von jungen Mädchen und gefolgt von den Sängern der Vereine, zogen sie durch das festlich geschmückte Dorf. Der Bürgermeister wurde als Ehrengast in einer Kutsche gefahren. Doch Bundessängerfeste gehören der Vergangenheit an. Das letzte Bundessängerfest wurde in 2002 vom MGV Emsdorf veranstaltet und organisiert. Und doch trifft man sich weiter zu gemeinsamen Liederabenden, Freundschaftssingen und Bundeskonzerte (kirchliche und weltliche).

 

Das erste Wertungssingen wurde in 1934 in Schwabendorf durchgeführt.

Wertungssingen finden alle zwei Jahre statt. Die Teilnahme für die Mitgliedsvereine ist freiwillig, jedoch fordert und fördert der Vorstand eine rege Beteiligung. Die Wertungssrichter sind meistens international und national bekannte Chorleiter.

Die Wertung wird nicht benotet, sondern in einer schriftlichen Beurteilung zusammengefasst.

 

Alle zwei Jahre wird vom Mitteldeutschen Sängerbund die Spohr-Plakette verliehen. Sie wird Personen überreicht, die sich für den Chorgesang besonders ausgezeichnet haben. Meistens geschieht dies im Rahmen der Bundessängertage.

1981 war der Wohratal-Sängerbund Gastgeber dieses Spektakels. Die Delegierten aus 18 Sängerkreisen trafen sich im Bürgerhaus Wohratal.

Neben den Delegierten und dem Präsidium des Mitteldeutschen- Sängerbundes mit Waltari Bergmann als Präsident an der Spitze, füllten auch zahlreiche Abgeordnete des Bundes, Landes und der Kreisverwaltung mit diversen Bürgermeistern, den Saal des Bürgerhauses. Zu den Gästen gehörten ebenfalls Abordnungen des befreundeten

Hessischen- Sängerbundes und des Deutschen- Sängerbundes. Chorkomponist Kurt Lissmann aus Wuppertal, Chorverleger Peter Tonger aus Köln und zahlreiche Träger der Louis Spohr-Plakette, mit der seit 1959 bisher, 65 Persönlichkeiten des Deutschen Chorwesens und der Öffentlichkeit ausgezeichnet wurden, waren anwesend.

 

1998 war der Sängerbund erneut Organisator für den Sängertag mit anschließender Verleihung der Spohr-Plakette. Diesmal fanden die Feierlichkeiten in der Sporthalle Rauschenberg statt. Der Empfang des Präsidiums vom MSB fand im Hotel Ruckert statt, anschließend trafen sich die Delegierten zu ihrer Sitzung im Gasthaus „Zur Post“.

 

2006 traf sich der Gesamtauschuss des Mitteldeutschen Sängerbundes in der Mehrzweckhalle in Bracht. Auch in diesem Jahr lag die Organisation in den Händen des Sängerkreis Wohratal

 

2008 traf sich die Spitze des MSB zu ihrer Gesamtauschuss-Sitzung wieder beim Sängerkreis Wohratal. Und wieder wurde ein Sängertag und die Verleihung der Spohr-Plakette gefeiert. Aber diesmal fand das Ereignis in der Stadthalle Stadtallendorf statt und das, obwohl Stadtallendorf zum Sängerkreis Kurhessen gehört. Doch das hatte seinen Grund: Mitorganisator war in 2008 der Gemischte Chor Erksdorf. Politisch gesehen gehört Erksdorf zu Stadtallendorf, doch „musikalisch“ zum Sängerkreis Wohratal.


Regelmäßige weitere Veranstaltungen

Alle drei Jahre finden im Sängerkreis Wohratal e.V. zwei Kirchen-Chorkonzerte und zwei weltliche Chorkonzerte, mit wechselnden Standorten, in unserer Region statt.

Zu den nicht alltäglichen Ereignissen zählen Sängertage, Jubiläen und die Leistungen einzelner Vereine.


Jubiläen & Geburtstage

Seit 1978 feiert der Sängerkreis alle fünf Jahre ein Jubiläums- bzw. Geburtstagsfest,

meistens in Verbindung mit den Sängertagen.

  • 1973          wurde das 50-jährige Jubiläum in Wohra seiner Geburtsstätte gefeiert.
  • 1983          wurde der 60. Geburtstag in Gemünden gefeiert. 
  • 1998          wurde das 75-jährige Jubiläum in Rauschenberg gefeiert.
  • 2003          wurde der 80. Geburtstag in Wohra seiner Geburtsstätte gefeiert. 
  • 2008          wurde der 85. Geburtstag in Erksdorf gefeiert.
  • 2013          wurde der 90. Geburtstag in Bracht gefeiert.

Mitgliedsvereine

 Bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges waren 21 Vereine dem Sängerbund beigetreten. Davon sind noch immer 9 Vereine im Sängerkreis Wohratal zu finden:

  • MGV Bracht               (Gesangverein 1908 Bracht)                         

  • MGV Ernsthausen     (Gemischter Chor 1895 Ernsthausen)          
  • MGV Erksdorf            (Gesangverein Erksdorf)                               
  • MGV Halsdorf            (Gesangverein Halsdorf)                               
  • MGV Hatzbach
  • MGV Langendorf
  • MGV Rosenthal
  • MGV Rauschenberg
  • MGV Schwabendorf  (Gesangverein 1886 Schwabendorf)          

Die übrigen elf Vereine sind entweder einem anderen Sängerkreis beigetreten oder existieren nicht mehr.

Waren es bis Ende 1949 nur Männergesangvereine, die dem Sängerkreis beitraten, so kamen in 1950 die ersten beiden Gemischten Chöre dazu:

  • Gemischter Chor Rauschenberg    (Kirchen- und Frauenchor 1906 Rauschenberg)
  • Gemischter Chor Lischeid               (der Chor existiert nicht mehr)

In 1964 konnte der Sängerkreis dem Mitteldeutschen Sängerbund 26 Männerchöre und 3 gemischte Chöre melden.

Die Chöre die zwischen 1950 und 1964 neu hinzu kamen und noch heute dabei sind, heißen:

  • MGV Neustadt
  • Gemischte Chor Speckswinkel (Gemischter Chor 1951 Frohsinn Speckswinkel)
  • MGV Josbach                              (Gemischter Chor Deutsche Eiche Josbach 1879)
  • MGV Emsdorf
  • MGV Momberg                            (Gemischte Chor Concordia 1867 Momberg)
  • MGV Moischeid

1976 meldete sich der erste Frauenchor beim Sängerkreis an:

  • Frauenchor Betziesdorf            (der Chor existiert nicht mehr)

2000 trat der erste Kinder- und Jugendchor dem Sängerbund bei. Vielleicht war dies der Anfang für eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit, denn 2005 wurde ein weiterer Kinder- und Jugendchor gegründet.

  • Kinder und Jugendchor Erksdorf         (2000)
  • Kinder und Junger Chor Bracht           (2005) 

Herausragende Ereignisse der Mitgliedsvereine

Die Vereine des Sängerkreises Wohratal haben nicht nur die Möglichkeit sich beim regionalen Wertungssingen zu präsentieren, sondern sie haben auch Chancen sich bei überregionalen Wettstreiten zu behaupten.

 

So nahm in 1995 der Gemischte Chor "Concordia" 1867 Momberg beim Chorwettbewerb in Hann.-Münden teil. Er erreichte das Prädikat „Leistungschor im Mitteldeutschen Sängerbund“.

 

1999 nahmen die beiden Chöre Burgwaldchor 1968 e.V. Rauschenberg und der Kirchen- und Frauenchor 1906 Rauschenberg e.V. an diesem Wettbewerb teil. Beide Chöre erreichten das Prädikat „Leistungsschor“.

 

2005 erreichte der Männerchor Momberg das Prädikat „Leistungschor“ und der

Gemischte Chor"Concordia" 1867 Momberg erzielte das Prädikat „Konzertchor“.

 

2007 errang der Kirchen-und Frauenchor 1906 Rauschenberg e.V. beim Chorwettbewerb des MSB in Battenberg erneut das Prädikat „Leistungsschor“.

 

2009 errang der Gemischte Chor "Concordia" 1867 Momberg erneut das Prädikat "Konzertchor".

 

2011 Der Kinder und Jugendchor Erksdorf sorgte Ende des Jahres für zwei Höhepunkte. Im September führten sie das Musical "Der König der Löwen" auf und im Dezember bot man ihnen die Chance mit dem Schlagersänger Andreas Fulterer beim "Weihnachtszauber aus den Dolomiten" in der Stadthalle Stadtallendorf mitzuwirken. Beide Male war es ein überwältigender Erfolg für die jungen Sänger.

 

2016 errang der Frauenchor Bracht beim Chorwettbewerb des MSB in Hann- Münden das Prädikat „Leistungsschor“.

 

(Verfasser der Chronik: Monika Friedrich)